Fehler bei der Testamentsvollstreckung

Fehler bei der Testamentsvollstreckung

1. Mangelnde Sorgfalt bei der Auswahl des Testamentsvollstreckers

Die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers durch das Nachlassgericht ist unbedingt zu vermeiden, birgt dies doch die Gefahr der Ernennung einer Person, der unter Umständen jeglicher Bezug zur Familie oder zum vererbten Unternehmen fehlt. Die Person des Testamentsvollstreckers ist für den Erfolg der Fremdverwaltung von ausschlaggebender Bedeutung. Fachliche und persönliche Eignung sind daher zwingend.

2. Fehlende Vollmacht über den Tod hinaus

Es kann eine Zeit lang dauern, bis das Nachlassgericht ein Testamentsvollstreckerzeugnis ausstellt, mit dem sich der Verwalter bei Banken, Behörden oder Geschäftspartnern legitimieren kann. Selbst wenn es schnell geht, können nach dem Tod des Erblassers bis zur Ausstellung immer noch einige Wochen vergehen. Um eine Handlungsunfähigkeit in der Zwischenzeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, dem vorgesehenen Testamentsvollstrecker schon zu Lebzeiten eine über den Tod hinausreichende Vollmacht auszustellen.

3. Verzicht auf Begrenzung der Machtfülle

Für den Erfolg einer Testamentsvollstreckung vor allem im unternehmerischen Bereich ist eine klare Festlegung im letzten Willen erforderlich, welche Aufgaben der Testamentsvollstrecker konkret wahrnehmen soll – nicht zuletzt zur Begrenzung seiner sonst übergroßen Machtfülle. Auch sollten wichtige Entscheidungen, wie etwa der Verkauf eines Unternehmens, nicht allein von ihm getroffen werden können, sondern nach Möglichkeit auf eine breitere Basis gestellt werden.

4. Mangelnde Kontrolle des Testamentsvollstreckers

Der Testamentsvollstrecker wird nicht vom Nachlassgericht überwacht. Dies ist nicht Aufgabe des Gerichts. Es liegt im Interesse des Erblassers, durch testamentarische Gestaltung hier entsprechend vorzusorgen. Obwohl die Erben bereits gesetzliche Auskunftsrechte haben, kann in diesem Rahmen zum Beispiel ausdrücklich festgelegt werden, wie und wann die Rechnungslegung über das Vermögen und seine Erträge zu erfolgen hat, in welchen Abständen die Erben zu informieren sind und wie und von wem das Zahlenwerk nötigenfalls geprüft wird.

5. Fehlende Ausschüttungsregelung für die Erben

Wenn im Testament eine klare Regelung dazu fehlt, wie die Erben an den Erträgen des Nachlasses partizipieren sollen, liegt die Entscheidung über die Ausschüttungen im Ermessen des Testamentsvollstreckers. Klare und eindeutige Vorgaben im Testament sind hier also notwendig, um einen eventuellen Konflikt zwischen Erben und Testamentsvollstrecker zu verhindern oder zu entschärfen. Solche Regelungen sind auch im Hinblick auf laufende Einkommensteuerzahlungen erforderlich, müssen die Erben doch trotz der angeordneten Fremdverwaltung persönlich Steuern auf die Erträge des Nachlasses (zum Beispiel auf den Gewinn einer Personengesellschaft) zahlen.

6. Grundlose dauerhafte Entmündigung der Erben

Die Testamentsvollstreckung sollte nicht ohne trifftigen Grund für den längstmöglichen Zeitraum von 30 Jahren verfügt werden. Oft reicht eine begrenzte Zeitspanne aus, etwa bis zur Volljährigkeit der Erben. Eine auf die gesetzliche Höchstdauer angelegte Testamentsvollstreckung kann allerdings vor allem in zwei Fällen sinnvoll sein: Der Erbe ist geistig behindert; oder er ist überschuldet und das Vermögen soll dem Zugriff seiner Gläubiger entzogen werden.

7. Versäumnis einer eindeutigen Honorarregelung

Zur Vermeidung unliebsamer Überraschungen und Honorarstreitigkeiten zwischen Erben und Testamentsvollstrecker empfiehlt es sich, den Honorarrahmen schon im Testament festzulegen. Ebenso ist es ratsam, eine Regelung für den Fall zu treffen, dass der Testamentsvollstrecker seinerseits Experten hinzuzieht: Sollen sie aus dem Vermögen bezahlt werden oder muss der Testamentsvollstrecker sie aus einem eigenen Honorar entlohnen.

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